„Macron bringt Frankreich in Bewegung“

Emmanuel Macron hat bereits die Hälfte seiner Wahlversprechen umgesetzt. Guy Maugis, Präsident der deutsch-französischen Handelskammer, analysierte in seinem Elysée-Festvortrag in Stuttgart Macrons erste Monate als Frankreichs Präsident.

Alexandra Wolters | Januar 2018
Nora Heinzelmann/IZKT

„Die Lust auf Europa und Deutschland war in Frankreich noch nie so groß wie jetzt. Endlich, werden einige sagen. So auch ich.“ Gleich zu Beginn des diesjährigen Elysée-Festvortrags in der Stadtbibliothek Stuttgart machte Guy Maugis die Stimmung in seinem Heimatland deutlich. Und zeigte als Präsident der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer seine ganz besondere Freude darüber.

„Ist Frankreich reformierbar?“ Mit dieser Frage hatte der Wirtschaftsexperte die von der Robert Bosch Stiftung geförderte Veranstaltung selbst überschrieben. Bisher seien alle Versuche dazu aufgrund massiver Proteste seitens der Bevölkerung gescheitert, blickte Maugis zurück. Aber jetzt, mit Emmanuel Macron als Präsident scheinen die ersten Reformen gelungen zu sein. „Frankreich verändert sich gerade so, wie es sich noch nie verändert hat.“ Der Grund dafür seien Macron und seine Politik. Um beides zu verstehen gab Maugis den etwa 300 Gästen im Max-Bense-Forum eine Art Interpretationshilfe.

Zum einen müsse man die Person Emmanuel Macron betrachten: Jung, dynamisch und ohne klassische Politikerkarriere. Das alles seien Gründe für seine Wahl gewesen. Frankreich habe sich Veränderung gewünscht – und ein Ende des Stillstands. In Macron hätten viele Franzosen dafür die richtige Person gesehen, mit dem richtigen Wahlprogramm. Das war erst knapp drei Monate vor der Wahl veröffentlicht worden. „Etwa 30 000 engagierte Bürger aus unterschiedlichen Lagern haben das Programm gemeinsam mit Macron erarbeitet. Das kam gut an“, so Maugis.

Nora Heinzelmann/IZKT

Guy Maugis fasst die ersten Monate Frankreichs Präsident zusammen: „Macron macht das, wofür er gewählt wurde. Und er wird so weitermachen.“

Stärkung der deutsch-französischen Freundschaft

Sicherlich seien nicht alle Punkte bei allen Franzosen gleich beliebt, gerade wenn es um Besitzstand gehe. Das habe auch der zeitweise Rückgang der Beliebtheitswerte des Präsidenten gezeigt. Anerkennung genieße Macron aber dafür, dass er sich an seine Versprechen und Ankündigungen halte und diese konsequent umsetze. Deshalb bleibe vermutlich auch der Protest der Bevölkerung aus – und weil die Opposition in Frankreich gerade quasi unbedeutend sei. „Macron macht das, wofür er gewählt wurde“, fasste Maugis in Stuttgart die ersten Monate des Präsidenten zusammen. „Bereits jetzt, nur acht Monate nach der Wahl, hat der Präsident etwa die Hälfte aller angekündigten Maßnahmen und Reformen umgesetzt.“ So zum Beispiel die Neuregulierung des Arbeitsmarktes – mit Einbeziehung der Gewerkschaften. „Und er wird so weitermachen.“

Frankreich ist also reformierbar. Das blieb am Ende des Vortrags bei vielen Gästen hängen, die sich nicht nur vom Tempo und der Konsequenz des französischen Präsidenten beeindruckt zeigten. „Macron hat das Zeug dazu, die deutsch-französische Freundschaft zu stärken“, so lautete das Fazit einer Zuhörerin. Er wirke selbstbewusst, biete Politikern wie Trump und Putin die Stirn und wolle wirklich etwas für Europa tun. Insgesamt wurde dem französischen Präsidenten am Ende des Abends ein gutes Zeugnis ausgestellt.

Guy Maugis zeigte sich in seinem Schlusswort ebenfalls beeindruckt von Macron, der mit seiner Regierung aus Fachleuten oftmals wie ein Konzern agiere. Aber er sprach auch vorsichtige Warnungen aus. Es würden noch heikle Baustellen anstehen, die den Protest der Bevölkerung doch noch hervorrufen könnten, wie zum Beispiel die Neuordnung des Rentensystems. „Bislang scheint es allerdings so, als habe Macron den Schlüssel und die Methode gefunden, Frankreich in Bewegung zu setzen.“ Und den Franzosen wieder Lust auf Deutschland als Freund und Partner sowie auf ein starkes und beschützendes Europa zu machen, das allen europäischen Bürgern nutze.