Standpunkte: Braucht die Gesellschaft neue Lösungen?

Klimawandel, Migration, Urbanisierung, alternde Gesellschaft, Digitalisierung, die europäische Finanzkrise und das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen – die Liste gesellschaftlicher Herausforderungen ist gegenwärtig lang. Wie finden wir gute Lösungen? Und müssen diese zwingend neu sein? Unser Autor hat den Sozialunternehmer Norbert Kunz und die Transformationsforscherin Julia Wittmayer gefragt. 

Martin Petersen | Januar 2018
Norbert Kunz und Julia Wittmayer
Daniel Hofer

Zu aktuellen Themen bieten wir in jeder Ausgabe des Magazins der Robert Bosch Stiftung Raum für Diskussionen und Meinungsaustausch. Diesmal haben wir Norbert Kunz und Julia Wittmayer zum Interview getroffen und mit ihnen darüber gesprochen, ob die Gesellschaft neue Lösungen braucht. 

Wenn die Mission eines Sozialunternehmens darin besteht, ein gesellschaftliches Problem zu lösen, dann müsste es sich abschaffen, wenn das Problem gelöst ist.

Norbert Kunz

Die Frage, wie man auf die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit reagieren kann – und ob es dafür zwingend neuer Lösungsansätze bedarf, stand dabei im Mittelpunkt.

Unsere beiden Gesprächspartner haben unterschiedliche Hintergründe: Norbert Kunz ist Sozialunternehmer, der Tausenden Social Start-ups geholfen hat, die Gründungsphase zu meistern. Julia Wittmayer ist Anthropologin und erforscht unter anderem, welchen Einfluss soziale Innovationen auf den gesellschaftlichen Wandel haben können. 

Sozialunternehmer Norbert Kunz
Daniel Hofer

Sozialunternehmer Norbert Kunz ist der Meinung: „Große Unternehmen müssen mit innovativen Start-ups zusammenarbeiten.“ 

Er ist Ashoka-Fellow und Geschäftsführer der Social Impact gGmbH, die bereits mehreren Tausend Unternehmen Gründungshilfe leisten konnte. Seit 2011 fokussiert sich sein Unternehmen auf die Unterstützung von Social Start-ups, um soziale Innovationen voranzutreiben. Mehr über Norbert Kunz erfahren Sie auch hier: socialimpact.eu/norbert-kunz

Kurz gefragt: Norbert Kunz

Was lesen Sie gerade?
„Golden House“ von Salman Rushdie

Was war Ihre letzte große Herausforderung?
Die Entwicklung unseres neuen Bildungsprojektes „Baut Eure Zukunft“

Was ist für Sie die bahnbrechendste soziale Innovation?
Für mich sind die Konzepte der Social Share Economy die bedeutsamsten. An der Entwicklung des ersten großen erfolgreichen Projekts in diesem Themenfeld, dem Carsharing, habe ich maßgeblich mitgewirkt.

Kunz und Wittmayer sind sich in einer Sache einig: Wir leben in einer Zeit der Transformation, deshalb reicht es nicht, so weiterzumachen wie bisher. Um großen Veränderungen wie Klimawandel, Migration, Urbanisierung oder Digitalisierung zu begegnen, werden soziale Innovationen gebraucht.

Wo Kunz auf die Zusammenarbeit von großen Sozialunternehmen mit kleinen, innovativen Start-ups setzt, betont Wittmayer, dass es die besten Innovationen schon gibt. Sie müssten nur wiederentdeckt und dann langfristig gefördert werden.

Dadurch, dass Stiftungen weder an die Regeln des Marktes noch der öffentlichen Hand gebunden sind, haben sie viel mehr Freiraum. Sie könnten helfen, gezielt nach schlafenden potenziellen Innovationen zu suchen und diese für unsere Zeit zu aktivieren.

Julia Wittmayer

An welchen Punkten sich ihre Ansätze und Vorstellungen noch unterscheiden, ist hier in unserem E-Magazin nachzulesen. Unser Autor Martin Petersen hat mit beiden Innovationsexperten ein Interview geführt.

Transformationsforscherin Julia Wittmayer
Daniel Hofer

„Soziale Innovationen müssen oft nur wiederentdeckt werden“, sagt die Transformationsforscherin Julia Wittmayer.

Sie erforscht soziale Innovationen und soziale Nachhaltigkeit an der Erasmus Universität Rotterdam. Sie nahm eine leitende Rolle im Forschungsprojekt „Transit“ ein, das von 2014 bis 2017 untersuchte, welchen Einfluss soziale Innovationen auf den gesellschaftlichen Wandel und die Selbstbestimmung von Menschen haben können. Mehr über Julia Wittmayer können Sie auch hier erfahren: drift.eur.nl/julia-wittmayer

Kurz gefragt: Julia Wittmayer

Was lesen Sie gerade? 
„Out of the Wreckage. A new politics for an age of crisis“ von George Monbiot.

Was war Ihre letzte große Herausforderung? 
Die Beendigung unseres vierjährigen Forschungsprojektes zu transformativen sozialen Innovationen (TRANSIT) zum 31. Dezember 2017 – es war eine sprichwörtliche Punktlandung.

Was ist für Sie die bahnbrechendste soziale Innovation? 
Es geht mir nicht um einzelne Innovationen, sondern darum, dass wir eine Diversität verschiedener Innovationen hegen und pflegen – nur dann können wir mittels eines Such- und Lernprozesses herausfinden, welche (Kombination von) Innovationen unsere Welt nachhaltiger, Gesellschaften inklusiver und Wirtschaftssysteme gerechter machen.

Das Magazin "Neu" (01/2018)

Neues zu gestalten und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen ist eine Kernaufgabe der Robert Bosch Stiftung....